Der Sonntag ist überfordert

Nach alter Sitte soll man den Sonntag heiligen, das heisst von Arbeit freihalten und den Gottesdienst mit­feiern. Die Sitte verliert von Jahr zu Jahr an prägender Kraft, auch für Christen. Wir brauchen den zerstörten Sonntag von heute, der aus Schlaf, Langeweile, Aus­fahrt und Fernsehen oder aus fortgesetzter Arbeit, die in der Woche nicht fertig wurde, besteht, nicht zu geisseln. Es genügt, dass wir unsere eigene Woche prüfen. Woher kommt es, dass der Gottesdienst nur selten die Kraft hat, einem Sonntag das Gesicht zu geben oder gar in eine Woche hineinzuwirken? Viel­leicht daher, dass wir dem Sonntag zumuten, alles auf die Schnelle zu reparieren, was in der Woche fahrlässig verdorben wurde.

Unser Sonntag ist überfordert. Ein Arzt heilt nicht in einer Woche, was an einem Körper in zehn Jahren gesündigt wurde. Ob der Sonntag seinen Sinn behält, entscheidet sich in den Werktagen. Ob wir den Werk­tag bewältigen, hängt daran, ob wir Zeiten kennen, in denen wir wirklich zu Stille und Sammlung, zum Hören und Nachdenken, Beten und Feiern kommen.

Den Text habe ich aus dem Kalender „täglich mit Gott 2018“, Beitrag vom 3. April. Dort ist die Quellenangabe: Aus: Jörg Zink «Wie wir feiern können», Kreuz-Verlag. Ich finde aber in diesem Buch den Text nicht.