Glauben in der Dämmerung

Sinnvoller leben mit Roland Diethelm, Pfarrer in Zürich.

Unter den selbst gewählten Tauf- und Konfirmationssprüchen erfreut sich einer besonderer Beliebtheit: «Alles ist möglich dem, der glaubt.» Gesagt hat das Wort Jesus. Gehört wird es heute als Selbstbestätigung. Wohliges Mantra eines selbstgefälligen Selbstvertrauens: Glauben an sich selbst erhöht die eigene Durchsetzungskraft im Wettbewerb. Das wünscht man sich und seinen Kindern.

Gemeint hat es Jesus anders: Während er sich seinen getreusten Jüngern auf einem abgeschiedenen Berg zum Leidensweg auserkoren zu erkennen gibt, misslingt den zurückgebliebenen Jüngern die Heilung eines Epileptikers. Der verzweifelte Vater des Knaben wendet sich an den Meister selbst und bittet ihn, es zu versuchen. «Wenn du es kannst.» Diesem Wenn tritt Jesus mit seinem Wort entgegen.

Glauben öffnet den Menschen für Gottes Können. «Der Glaube ist gerade für jene Zeiten der Dämmerung, der Vieldeutigkeiten des Lebens und der Welt wie auch für die Nacht des Winters und des Schweigens Gottes da», schreibt der tschechische Theologe Tomas Halik in seinem Buch «Geduld mit Gott». «Er ist nicht dazu da, um unseren Durst nach Gewissheit und Sicherheit zu stillen, sondern um uns zu lehren, mit dem Geheimnis zu leben.»

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