Aufmerksamkeit und Zorn

Heute Morgen habe ich einige Bücher aus der Bücherwand genommen. Eigentlich mit dem Ziel sie auszusortieren. Beim Blättern habe ich mich aber gefreut, dass ich so gute Bücher habe und ich habe einiges gelernt.

Hängengeblieben ist mir:

Verantwortung für den eigenen Zorn übernehmen

In: „Bevor der Kragen platzt. Vom Umgang mit Aggression und Ärger in der Erziehung“ von Ross Campell, 2002 Verlag Francke, 133-135:

In den Kapiteln sechs und sieben haben wir darüber gesprochen, wie wir unseren Ärger nicht zum Ausdruck bringen sollten.

Jetzt wollen wir uns anschauen, wie wir richtig damit umgehen sollten. Der erste Schritt besteht in unserer Bereitschaft, Verantwortung für unsere Wut zu übernehmen. Das ist schwierig, gerade weil es so leicht ist, jemand an-
ders dafür verantwortlich zu machen, dass uns der Kragen geplatzt ist oder dass wir uns im Zorn zu etwas haben hinreißen lassen, was uns nun Leid tut. Leider gebrauchen die meisten Menschen ihren Zorn als Entschuldigung für alles, was sie rechtfertigen möchten, sei es ihr Handeln oder ihr Verhalten. Tatsächlich suchen die meisten  Menschen bewusst oder unbewusst nach Gründen, ärgerlich zu werden, um ihr Versagen rechtfertigen zu können!

Im Laufe der Jahre habe ich Arbeitnehmer kennen gelernt, die ihren Arbeitgebern unheimlich geschadet haben, obwohl sie von ihnen gerecht behandelt wurden. Stets nahmen die Arbeitnehmer irgendeinen banalen Zwischenfall, der nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun hatte, zum Anlass, ihren Zorn zu rechtfertigen, um diesen Zorn dann als Entschuldigung für ihr verantwortungsloses Handeln vorzubringen.

Um Verantwortung für unseren Zorn übernehmen zu können, müssen wir ihn zunächst erkennen. Vielen Menschen ist es nicht einmal bewusst, wenn sie zornig sind. Ein Grund dafür besteht darin, dass sie vielleicht eifersüchtig, frustriert oder verletzt sind und nicht wissen, dass diese Gefühle sie zornig und ärgerlich machen. Wenngleich sich diese Erwachsenen auch ihres Zorns nicht bewusst sind, ihre Kinder werden ihn ganz gewiss spüren. Kinder empfinden weniger Respekt für ihre Eltern, wenn diese es ablehnen, Verantwortung für ihren Zorn zu übernehmen. Erkennen Eltern jedoch, wenn sie zornig sind, können sie ihren Zorn auch beim Namen nennen und ihn eingestehen. Nur so sind sie auch in der Lage, Verantwortung für ihren Zorn zu übernehmen.

Niemand außer Ihnen kann die Verantwortung für Ihren Zorn übernehmen. Wenn Sie einem anderen Menschen die Schuld an Ihrem Zorn geben, gestehen Sie ihm gleichzeitig die Macht zu, Sie aus der Fassung zu bringen. Sie allein sind für Ihren Zorn verantwortlich und auch dafür, wie Sie damit umgehen.

Ein Kind für den eigenen Zorn verantwortlich zu machen, ist unentschuldbar und  außerdem gefährlich, weil man dem Kind die Schuld für etwas gibt, dessen Ursachen in Umständen begründet liegen, die mit dem Kind überhaupt nichts zu tun haben. Sie hatten beispielsweise beruflich eine unliebsame Auseinandersetzung, die Sie nicht beilegen konnten, sondern einfach „vergessen“ haben. Sie kommen nach Hause und das Verhalten Ihres Kindes reizt Sie. Wenn Sie nun Ihrem Kind die Schuld an Ihrem Zorn geben, werden Sie es womöglich auch für die vorangegangene Auseinandersetzung an der Arbeit verantwortlich machen. Damit stehen Sie in der Gefahr, Ihren aufgestauten Ärger auf Ihr Kind abzuladen. Das wird zweifellos tragische Folgen haben, besonders, wenn Sie Ihr Kind über einen längeren Zeitraum als „Müllkippe“ für Ihren aufgestauten Zorn benutzen.

Felverhalten in der Schule / Burn-out Syndrom. Schattenseiten eines Berufes

Aus: Eva Zeltner, Mut zur Erziehung, Zytglogge Verlag 1996, 147-166.

Das Kapitel hilft die Herausforderungen eines Lehrers / einer Lehrerin besser zu verstehen. Die vielseitige, fast übervolle Aufgabe, die Spannung mit Menschen zu arbeiten, wo Provokation, Alleingelassen sein, etc. eine grosse Rolle spielen. Obwohl das Buch ziemlich alt ist, macht es mir Eindruck.

Das Kapitel „Konsequenzen“ (gemeint ist Konsequenzen aus dem von Eva Zeltener beschriebenen Ansatz) möchte ich gerne in Ruhe lesen.

Vier falsche Verhaltensziele

In: Jane Nelsen, Kinder brauchen Ordnung. Praktische Grundsätze für die Erziehung, 2002, 53-71.

Sie stellt da die These auf: „Ein ungezogenes Kind ist ein entmutigtes Kind.“ (67) Das eigentliche Endziel des falschen Verhaltens sei das Gefühl von Zugehörigkeit und Bedeutung zu erlangen. Ein falsches Verhaltensziel – und zwar das, welches ich bei uns meine deutlich zu identifizieren können – ist Aufmerksamkeit („Ich gehöre nur dazu, wenn ich deine Aufmerksamkeit besitze.“) Die anderen sind: Macht, Rache, vermeintliche Unfähigkeit.

Viele Erwachsene geben an auf diese  Fehlverhalten mit Zorn und Frustration zu reagieren. Das seien aber sekundäre Reaktionen auf primäre Gefühlsreaktionen. Die primäre Gefühlsreaktion gereizt und ärgerlich – meint Jane Nelson – sein der Hinweis darauf, dass das Kind ungezogen ist, weil es versucht Aufmerksamkeit zu erlangen.

Als Mittel gegen das falsche Ziel Aufmerksamkeit schlägt sie vor (57):

  • Ignorieren Sie das Fehlverhalten, doch schenken Sic dem Kind während angenehmer Momente volle Aufmerksamkeit.
  • Leiten Sie das Kind zu einem Verhalten zurück, das etwas Konstruktives beiträgt.
  • Erzwingen Sie eine logische Konsequenz.
  • Bieten Sie eine logische Konsequenz an.
  • Tun Sie etwas Unerwartetes.
  • Stellen Sie einen Zeitplan für spezielle Zeiten mit dem Kind auf.

Dasselbe Verhalten kann auf jedes der vier falschen Ziele zurückgehen. Was mich beruhigt: „Das Ziel, das das Kind wählt, lässt den Grad seiner Mutlosigkeit erkennen. Das Fehlziel Aufmerksamkeit zeigt die geringste Entmutigung, das der vermeintlichen Unfähigkeit die ernsteste.“ (63)

 

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