«Was Jesus wirklich gesagt hat», Franz Alt

Rezension von Florian Homberger, Mai 2018

In letzter Zeit habe ich zwei Bücher von Franz Alt erhalten. Ein Freund hat mir das Buch „Ethik ist wichtiger als Religion. Der Appell des Dalai Lama an die Welt“ geschenkt und von jemand anderem habe ich das Buch „Was Jesus wirklich gesagt hat. Eine Auferweckung“ ausgeliehen.

Franz Alt wirbt für eine globale Gesinnungsethik, die auf Versöhnung und Wohlwollen basiert und die sich nicht von Dogmen bremsen lässt. Er weisst zum Beispiel darauf hin, dass Tier frei sein sollten, keine Kriege geführt werden sollten und dass institutioneller Gehorsam bedenklich ist.

In seinem Jesus Buch, 2015 zitiert er oft Eugen Drewermann, Jörg Zing und Anselm Grün. In dem Buch arbeitet er eigentlich die Studien von Günther Schwarz mundgerecht auf (und das ist auch die hauptsächliche Leistung dieses Buches), der die Texte des Neuen Testamentes ins Aramäische Rückübersetzt hat. Auf dieser Rückübersetzung basieren die Ausführungen von Franz Alt zu dem was jetzt eben echt jesuanisch sein soll. Sein Jesusbild weicht dann erheblich vom traditionellen kirchlichen Jesus Bild ab. So ist Jesus nicht Gott, er war nicht wirklich tot, es geht bei vielem um den Astralleib, etc.

Der Umgang mit der Bibel im Buch von Franz Alt ist haarsträubend! Seine Stellenangaben sind unvollständig er zitiert die Rückübersetzung von Schwarz und diese Rückübersetzung ist entweder sehr selektiv (Auslassen von ganzen Versen, einzelnen Worten, Umstellen von Versen) oder von Franz Alt katastrophal wiedergegeben.

Ein Beispiel: Im II. Teil des Buches, Kapitel „47. Jesu ergreifendes Abschiedsgebet“ „zitiert“ er – mit Angabe der Bibelstelle! – „Joh 17,1-26“. Faktisch druckt er die Verse 6-8, 11b-15, 18-19 und 26 ab, wobei er z.B. auch noch 12b und 14 auslässt und auch einzelne Worte (vor allem Pronomen für Jesus) weglässt (Seite 292). Auf der nächsten Seite dasselbe: Angabe „Joh 14,16-26“ abgedruckt Joh 14, 16.26 und Joh 15,26. Das will mir nicht in den Kopf – ganz unabhängig von der Aussage. Tolles Geschnippsel, das dann am Ende schön in die eigene Botschaft passt 🙂 .

Die Textbeobachtungen sind durchaus anregend, und diese seltsamen Angaben und Übertragungen regen an sich mit der Bibel zu beschäftigen. Man muss überlegen und nachschauen: Was steht denn wirklich dort? Interessantes findet sich, gerade seine Übersicht zu einem aramäischen Unser Vater. Da diese Version hypothetisch ist – wie alle „Rückübersetzungen“ ins Aramäische – gibt es auch vom aramäischen Unser Vater verschiedene Versionen. Darauf weisst Franz Alt aber nicht hin.

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Das Buch ist ziemlich aufreisserisch gemacht, im Stil von: „Endlich DIE Entdeckung, Wahrheit und Enthüllung.“ Das macht es mir schon einmal eher suspekt. Auch das penetrant Besserwisserische macht es nicht sympathischer.

Hier eine kritische Rezension: https://www.borromaeusverein.de/medienprofile/rezensionen/9783579085227-was-jesus-wirklich-gesagt-hat/

Ja, es stimmt: Wenn man es so darstellt wie in dem Buch «Was Jesus wirklich gesagt hat» sagt Jesus auf einmal alles so, wie wir uns das vorstellen und wir können sogar die Bibel nach belieben umschreiben, weil wir ja den hypothetischen Grundtext nach unserem Gusto rekonstruieren. Die Rückübersetzung ist eine relativ willkürliche Methode um in die Bibel unsere Meinung hineinzulesen. Kein Wunder, dass diese Methode und deren Ergebnisse von keiner theologischen Fakultät ernstgenommen werden.

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