Fünf nach Zwölf

Mit dem Pfarrkapitel waren wir auf einer Pilgerreise. Begonnen haben wir in Bäretswil, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Armin Sierszin zu den Täufern im Zürcher Oberland. Dann sind wir zur Täuferhöhle gewandert, in der wir mit Gebeten aus Iona Abendmahl gefeiert haben. Über den Bachtel sind wir nach Girenbad gewandert und von da per Bus und Zug nach Rapperswil.

Am nächsten Tag pilgerten wir über den Steg nach Pfäffikon SZ um von dort mit dem Zug nach Einsiedeln zum Mittagsgebet der Benediktinermönche zu fahren. Dort hat und am Nachmittag Martin Werlen, der ehemalige Abt des Klosters für ein Gespräch empfangen.

Auf unsere drängenden und dringenden Fragen hat er sehr weise geantwortet. Eine Frage war: „Wie können wir die Menschen wieder ansprechen? Was sollen wir tun, damit es mit der Kirche wieder aufwärts geht?“ Zuerst hat er geschwiegen und dann vorsichtig gesagt, es sei an der Zeit gewisse Einstellungen aufzugeben.

Aufhören so zu tun „als ob“

Zuerst sollen wir einmal aufhören damit, so zu tun „als ob“. Als ob wir immer noch eine Mehrheitskirche wären. Und wir sollten aufhören so Gottesdienst zu feiern als wären da 300 Leute, wenn nur 10 oder 30 da sind. Das sei wie ein Geburtstagsfest, bei dem für 500 Personen gedeckt wurde und aus irgendwelchen Gründen kommen nur 10. Wenn der Gastgeber siech jetzt so verhielte, als wären alle 500 da, wäre das für die Anwesenden deprimierend. Jeder müsste an einem eigenen Tisch sitzen, das Essen würde serviert und weit weg spielt eine Musikkapelle. Hingegen wenn er die 10 Personen alle an einen Tisch setzt, selber dazu sitzt und die Musikanten daneben spielen, kann das für alle ein ganz gelungener Anlass werden.

5 nach 12

Und dann sollten wir uns eingestehen, dass es eher 5 nach 12 ist, als 5 vor 12. 5 vor 12 würde bedeuten, jetzt kann man noch etwas tun, alle Kräfte mobilisieren. Das Essen muss um 12.00 auf dem Tisch sein, also ist jetzt Endspurt. um 5 vor 12 könnte man das Ruder noch herum reissen. Aber um 5 nach 12 ist es gelaufen. Die Menschen warten nicht mehr auf das Essen, das wir kochen. Sie sind schon längst auf der Wanderung. Sie kommen nicht mehr zurück. Es ist vorbei. So sei es – gemäss seinem Eindruck – auch mit der Kirche in unserem Land. 5 nach 12. Das muss uns nicht beunruhigen, sondern im Gegenteil, wir können uns entspannen. Wir können nichts mehr tun um die Situation zu retten. Genauso wie Sarah und Abraham nichts mehr tun konnten um ein Kind zu bekommen. Wäre Sahra 48 Jahren alt gewesen, hätten sie sich noch anstrengen können. Das wäre 5 vor 12 für eine Frau um noch ein Kind zu bekommen. Aber eine 80-jährige… das ist eine typische 5 nach 12 Situation. Auch als Lazarus im Grab lag, war 5 nach 12. Vorher, als Jesus gerufen wurde, war 5 vor 12. Aber er lies die Zeit verstreichen und kam erst, als Lazarus tot war. Es war vorbei. Als Jesus am Kreuz hing war 5 nach 12. Drei Tage vorher im Tempel hätte man noch etwas tun können. Aber nach der Hinrichtung war es vorbei. Solche 5 nach 12 Situationen sind also biblisch und typisch für Gott. Wir können nichts mehr tun. Und sollten das auch einsehen. Dann können wir ALLES von IHM erwarten, weil für uns die Zeit abgelaufen ist.

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