„Du bedeckst uns ganz mit seiner Gerechtigkeit“

Als ich im Jahr 2012 mein erstes und bis jetzt einziges Mal in Jerusalem war, kaufte ich bei einem Araber einen „Born-again-Tallit“ (Tallit=Gebetsschal). Ich hatte die Vermutung, es sei ein netter Vermarktungsgag, um christlichen Touristen noch etwas mehr zu verkaufen. Und neben dem grossen jüdischen Selbstbewusstsein, dass ich in Jerusalem erlebte kam mir das „Born-again“ billig, amerikanisch vor. Aber ich kaufte den Tallit trotzdem. Er lag bei mir rum, bis ich einmal genauer studierte.

Der Talit-Segen ist auf gedruckt und heisst:
Talit_Segensspruch
„Gesegnet bist du unser Gott, du bist König in Ewigkeit. Du hast die ganze Tora in Jesus Christus erfüllt und du bedeckst uns ganz mit seiner Gerechtigkeit.“

Da der Tallit ja ein relativ grosses Stück Stoff ist – und die Juden in u.a. dazu benutzen, den Kopf zu bedecken – habe ich das damit auch gemacht. Das ist eine Gebets-Handlung. Ich tue – symbolisch – das was ich bete, resp. sage und glaube. Das tut mir unglaublich gut. Für mich, der ich in der symbol- und ritualarmen reformierten Tradition lebe ist das etwas besonderes. Es auch real zu fühlen, dass Gott mich bedeckt mit der Gerechtigkeit. Mich schützt in seinem Zelt. Mich unter den Schatten seiner Flügel nimmt.

Der Tallit ist viereckig und hat – wie jeder Gebetsschal – an den Ecken Bändel, die Zizit. Dieser Gebetsschal hat bei jedem der Zizit einen Bibelvers aufgestickt. Da er für gebetsmässige Anfänger ist, ist alles an- und aufgeschrieben. Darüber habe ich am Anfang zwar gelächelt. Aber jetzt kommt es mir entgegen.

Wenn ich  mit dem Schal bedeckt bin lese ich diese vier Bibelverse. Zuerst, vorne links:

„Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.“
Mal 3,20

„Sie baten ihn, dass sie nur den Saum seines Gewandes berühren dürften. Und alle, die ihn berührten, wurden gesund.“
Mat 14,36

„Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“
Jes 53,5

„Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“
2. Kor 5,21

Für mich ist das eine sehr schöne und intensive Art zu beten, vor Gott zu kommen und mir sein Heil, seine Güte, seine Grösse und seine Heilstaten zu vergegenwärtigen und ihn dann zu loben.

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