Engstirnigkeitsprofilaxe

„Wer im Glauben fortschreitet, dem weitet sich das Herz.“

 

Der Satz ist aus der grandiosen Regel des heiligen Benedikt (Prolog, 49). Er ist im eigentlichens Sinn eine Profilaxe gegen falschen religiösen Fundamentalismus. Auf Lateinisch heisst es:

Processu vero conversations et fidei, dilatato corde,
inenarrabili dilectionis dulcedine, curritur via mandatorum Dei.

Die offizielle Übersetzung ist:

Wer aber im klösterlichen Leben fortschreitet, dem wird das Herz weit,
und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.

„vero conversations“ könnte man natürlich anders übersetzen als „klösterliches Leben“ 🙂

Als Grundlage des Spruches bei Benedikt dient u.a. der Psalm 119,32:

Ich laufe den Weg deiner Gebote, denn du machst mein Herz weit.

Fünf nach Zwölf

Mit dem Pfarrkapitel waren wir auf einer Pilgerreise. Begonnen haben wir in Bäretswil, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Armin Sierszin zu den Täufern im Zürcher Oberland. Dann sind wir zur Täuferhöhle gewandert, in der wir mit Gebeten aus Iona Abendmahl gefeiert haben. Über den Bachtel sind wir nach Girenbad gewandert und von da per Bus und Zug nach Rapperswil.

Am nächsten Tag pilgerten wir über den Steg nach Pfäffikon SZ um von dort mit dem Zug nach Einsiedeln zum Mittagsgebet der Benediktinermönche zu fahren. Dort hat und am Nachmittag Martin Werlen, der ehemalige Abt des Klosters für ein Gespräch empfangen.

Auf unsere drängenden und dringenden Fragen hat er sehr weise geantwortet. Eine Frage war: „Wie können wir die Menschen wieder ansprechen? Was sollen wir tun, damit es mit der Kirche wieder aufwärts geht?“ Zuerst hat er geschwiegen und dann vorsichtig gesagt, es sei an der Zeit gewisse Einstellungen aufzugeben.

Aufhören so zu tun „als ob“

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„Du bedeckst uns ganz mit seiner Gerechtigkeit“

Als ich im Jahr 2012 mein erstes und bis jetzt einziges Mal in Jerusalem war, kaufte ich bei einem Araber einen „Born-again-Tallit“ (Tallit=Gebetsschal). Ich hatte die Vermutung, es sei ein netter Vermarktungsgag, um christlichen Touristen noch etwas mehr zu verkaufen. Und neben dem grossen jüdischen Selbstbewusstsein, dass ich in Jerusalem erlebte kam mir das „Born-again“ billig, amerikanisch vor. Aber ich kaufte den Tallit trotzdem. Er lag bei mir rum, bis ich einmal genauer studierte.

Der Talit-Segen ist auf gedruckt und heisst:
Talit_Segensspruch
„Gesegnet bist du unser Gott, du bist König in Ewigkeit. Du hast die ganze Tora in Jesus Christus erfüllt und du bedeckst uns ganz mit seiner Gerechtigkeit.“

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